Genetik Grundwissen

Bevor man sich auch nur ansatzweise mit dem Gedanken befasst seine Igel zu verpaaren, sollte man sich als erstes in das Grundwissen um die Genetik einlesen und es verstehen lernen. Auf dieser Seite möchte ich die wichtigsten Grundbegriffe erklären auf die ihr in der Igelzucht häufiger stoßen könntet. Das Thema an sich ist jedoch so allumfassend, dass es definitiv weiterer Recherche bedarf.


Mendelsche Gesetze

Das erste Mendelsche Gesetz ( Das Gesetz der Uniformität ):

Kreuzt man zwei Individuen einer Art, die sich in einem Merkmal unterscheiden für das sie reinerbig (homozygot) sind so sind ihre Nachkommen, die F1 ( 1. Filialgeneration ), untereinander gleich.


Beispiel: Kreuzt man ein wildfarbenes Männchen ( WW ) mit einem albinotischen Weibchen ( aa ) so unterscheiden sie sich in dem Merkmal für die Färbung, sind für sich betrachtet in diesem Merkmal aber reinerbig, sprich homozygot.


Das Ergebnis dieses Kreuzungsvorgangs ist, dass alle Nachkommen phänotypisch identisch sind mit dem Wildtyp!


Das zweite Mendelsche Gesetz ( Das Spaltungsgesetz ):


Kreuzt man die Individuen der 1. Filialgeneration untereinander, so ist die F2-Generation nicht uniform, sondern spaltet sich in bestimmten Zahlenverhältnissen auf, und zwar beim dominant-rezessiven Erbgang im Verhältnis 3:1 phänotypisch. Genotypisch ist das Verhältnis 1:2:1.


Das dritte Mendelsche Gesetz ( Das Gesetz der Neukombination ):


Kreuzt man Individuen einer Art, die sich in mehreren Merkmalen reinerbig unterscheiden, so gelten für jedes Merkmal Uniformitäts- und Spaltungsgesetz. Neben den Merkmalskombinationen der P-Generation treten in der F2-Generation neue Merkmalskombinationen auf.


Aufgrund dieser drei Kreuzungsgesetze sollte es jedem Züchter möglich sein Voraussagen über die Nachkommen seiner Zuchttiere zu treffen und auch Hinweise zu erlangen, ob diese Nachzuchten eventuell Genträger für ein rezessives Gen sind!




Dominant und rezessiv

Es gibt dominante und rezessive Gene.


dominante Gene:

Sind die "übergeordneten" Gene. Sie überwiegen die rezessiven Gene.


dominante Gene werden in Schemata mit einem Großbuchstaben dargestellt /A /


Beispiel: Ist eine Farbe dominant, nehmen wir mal Salt&Pepper, dann wird diese meist überwiegen denn Erbinformationen für Wildtypen sind immer dominant.


rezessive Gene:

Sie werden meist von den dominaten Genen unterdrückt. In Schemata werden sie in Kleinbuchstaben / a / dargestellt.

Rezessive Gene sind erst dann sichtbar, wenn beispielsweise 2 rezessive Gene allein miteinander verpaart werden. 


Gene für Farbmutationen sind meist rezessiv. Es kommt also nur zu einer phänotypischen*1 Erscheinung wenn sowohl Mutter als auch Vater das merkmalsändernde mutierte Gen aufweisen.


*1Phänotyp: bedeutet auch Erscheinungsbild. Es ist die Summe aller äußerlich feststellbaren Merkmale eines Individuums.



Dilute Gen

Als Dilute-Gen (vom engl. dilute, verdünnen) oder Verdünnungsgen werden bei unterschiedlichen Tierarten verschiedene Gene bezeichnet, die in deren Mutationen zu einer Aufhellung der Intensität der Fellfarbe führen. 

Abkürzung hierfür ist / d /

Es ist rezessiv gegenüber dem Wiltyp-Allel / D / für die unaufgehellte Farbe.


Hier mal die Übersetzung von der ehemaligen englischen Seite hedgehogcolors: 


Das Dilution-Gen (dilution=Abschwächung, Milderung)

schwächt eumelanin (schwarz bzw braun) zu silber-blau 

und pheomelanin (orange/orange) zu gelb-cremefarben ab.


Jeder Igel besitzt zwei Kopien dieses Gens - eines vom Vater und eines von der Mutter. Dabei wird zwischen folgenden Kombinationen (Genotypen) unterschieden:


/ DD / : Sowohl Vater als auch Mutter haben das Wildtypallel vererbt. Die Stacheln sind nicht aufgehellt. 


/ Dd / : Entweder Vater oder Mutter haben das Allel für die verdünnte Farbausprägung vererbt. Die Farbverdünnung ist jedoch nicht sichtbar - der Igel hat die gleiche Stachelfarbe, wie ein DD-Igel. 


/ dd / : Vater und Mutter haben das Allel für die verdünnte Farbausprägung vererbt. Die Stacheln sind aufgehellt.


Gemäß den Mendelschen Regeln erhalten 25% der Hoglets die Gen-Kombination dd, wenn sowohl Mutter als auch Vater die Genkombination Dd in sich tragen.



Homozygot und heterozygot

homozygot


In den Körperzellen aller höheren Tiere und vieler Pflanzen liegen die Chromosomen immer in doppelter Ausführung vor (diploid).

Ein Chromosom stammt jeweils vom Vater, das andere von der Mutter.

Gene die auf einem gleichen (homologen) Chromosomenpaar liegen und für das gleiche Merkmal (z.B. Stachelfarbe) verantwortlich sind, bezeichnet man als Allel.

Sind die Allele auf beiden Chromosomen identisch, dann ist die Zelle hinsichtlich dieses Merkmals reinerbig, also homozygot.


Homozygot bedeutet also grob umschrieben reinerbig!


heterozygot


Die Zelle ist mischerbig, heterozygot, wenn die Allele ungleich sind (z.B. unterschiedliche Ausprägung der Stachelfarben).

Dann sind beide Allele verschiedene Varianten eines Gens.

Eines der Allele ist meistens dominant und bestimmt die Ausprägung des Merkmals. 


Heterozygot bedeutet also mischerbig.


Beispiel:


Ein chocolatefarbendes Igelchen das aber auch Pintogene vererbt wäre dann 

Chocolate het. Pinto



Was bedeutet "F1" züchten?


Manchmal hört oder liest man bei Züchtern folgendes: F1 gezüchtet oder F1 Zucht. Gerade bei sehr seltenen Tieren findet man dies häufiger. Aber was bedeutet es?


F ist in der Genetik die Abkürzung für die Tochtergeneration (Filialgeneration).


Es ist also die Bezeichnung für die direkten Nachkommen (F1) eines Elternpaares (Elterngeneration) und die auf diese folgenden Generationen (F2 usw.).


F1 Verpaarung wäre dann beispielsweise die erste Tochter vom Vater eingedeckt oder der erste Sohn auf der Mutter ect. Dies ist keine Inzucht sondern eine Form der sogenannten Linienzucht. (F1 ist aber ebenso die erste Generation nach Wildfängen) 


Linienzucht ist eine Form der Inzucht die allerdings in der Zucht noch anders behandelt wird als die Inzucht selbst.

Linienzucht sollte erst betreiben, wer sich bereits intensiv mit der Genetik und ihren Folgen in der Zucht auseinandergesetzt hat und diese sollte auch immer bei einem Weiterverkauf der Tiere angegeben.

Allerdings sind aus Linienzucht auch die meisten der Farbvarianten entstanden!


Im Großen und Ganzen gilt natürlich, dass man vorwiegend auf blutsfremde Zuchttiere zurückgreifen sollte und nur der Linienzucht nachgehen, wenn man das Fachwissen dazu hat und einen plausiblen Zuchtzweck erfüllen möchte.


Geschwistertiere sollten aber keinesfalls miteinander verpaart werden, da hier das Risiko der Weitergabe erblich bedingter Fehlinformationen/Fehlvererbungen (Krankheit, Behinderungen etc.) höher ist!


Ich möchte hier weder für noch gegen Linienzucht sprechen aber es zumindest erwähnt haben, da auch dies zum Thema Zucht gehört!


Hier auch noch ein sehr informativer Beitrag zum Thema:

http://www.rodent-info.net/inzucht.htm



Letalverpaarungen

Folgende Farbformen dürfen nicht miteinander verpaart werden, da es zu Erkrankungen, Mutationen oder gar Totgeburten kommen kann! 

Albino + Albino 

Reverse + Reverse
Leuzist + Reverse
Double white + Double white